Home Handwerker-Ratgeber Stundensatz berechnen als Handwerker: So kalkulierst du richtig

Stundensatz berechnen als Handwerker: So kalkulierst du richtig

Viele selbstständige Handwerker in Österreich verschenken bares Geld, weil sie ihren Stundensatz aus dem Bauch heraus festlegen. Dabei gibt es eine klare Formel, mit der Sie Ihren tatsächlichen Mindeststundensatz berechnen können. Nur wer alle Kosten kennt - von SVS-Beiträgen über Werkzeugverschleiß bis zur WKO-Kammerumlage - kann wirtschaftlich arbeiten. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihren Stundensatz korrekt kalkulieren und wo typische österreichische Handwerker-Stundensätze im Jahr 2026 liegen.

Die Grundformel für Ihren Stundensatz

Die Berechnung Ihres Stundensatzes folgt einer einfachen Formel: (Gesamte Fixkosten + gewünschter Gewinn) geteilt durch die Anzahl verrechenbarer Stunden pro Jahr. Entscheidend ist, dass Sie nicht von 365 Tagen ausgehen. Ziehen Sie Wochenenden (104 Tage), Feiertage (13 Tage in Österreich), Urlaub (mindestens 25 Tage), Krankenstandstage (ca. 10 Tage) und unproduktive Zeit für Angebotserstellung, Buchhaltung und Fahrten ab. Realistisch bleiben für die meisten Handwerker etwa 1.400 bis 1.600 verrechenbare Stunden pro Jahr übrig. Ihre Fixkosten umfassen: SVS-Beiträge (Sozialversicherung der Selbstständigen, rund 26,83 % des Gewinns), Einkommensteuer (je nach Gewinn 0 bis 50 %), WKO-Kammerumlage und Grundumlage, Betriebsversicherungen (Haftpflicht, Betriebsunterbrechung), Fahrzeugkosten (Leasing, Versicherung, Treibstoff), Werkzeug- und Geräteabschreibung, Raumkosten für Werkstatt oder Lager, Telefon- und Internetkosten, sowie eventuelle Weiterbildungskosten. Rechnen Sie alle diese Positionen zusammen, addieren Sie Ihren gewünschten Nettolohn, und teilen Sie durch die verrechenbaren Stunden. Das Ergebnis ist Ihr Mindeststundensatz - darunter arbeiten Sie defizitär.

Checkliste

SVS, Steuern und WKO: Die österreichischen Besonderheiten

In Österreich ist die Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) mit Abstand der größte Kostenfaktor neben der Einkommensteuer. Die SVS-Beiträge setzen sich zusammen aus Krankenversicherung (6,80 %), Pensionsversicherung (18,50 %) und Unfallversicherung (monatlich fixe 10,97 EUR). In den ersten drei Jahren der Selbstständigkeit gelten reduzierte Mindestbeiträge, die danach anhand des tatsächlichen Gewinns nachberechnet werden. Vorsicht: Diese Nachzahlung kann erheblich sein. Die WKO verlangt eine jährliche Grundumlage, die je nach Bundesland und Fachgruppe zwischen 50 und 350 EUR liegt. Hinzu kommt die Kammerumlage 1 (KU1), die etwa 0,3 % des Vorjahresumsatzes beträgt. Bei der Einkommensteuer gilt in Österreich ein progressiver Tarif: Bis 12.816 EUR Jahreseinkommen zahlen Sie 0 %, bis 20.818 EUR sind es 20 %, bis 34.513 EUR dann 30 %. Das bedeutet: Je höher Ihr Gewinn, desto mehr müssen Sie für Steuern und SVS einplanen. Ein Handwerker, der sich 3.000 EUR netto pro Monat auszahlen möchte, braucht - je nach individueller Situation - einen Bruttoumsatz von etwa 5.500 bis 6.500 EUR monatlich, um alle Abgaben abzudecken.

So gehts - Schritt für Schritt

1
Kostenaufstellung erstellen

Listen Sie sämtliche monatliche und jährliche Betriebskosten auf. Vergessen Sie nicht Positionen wie Werkzeugverschleiss, Fortbildung und Rücklagen für Reparaturen.

2
Verrechenbare Stunden ermitteln

Berechnen Sie Ihre tatsächlich verrechenbaren Stunden pro Jahr. Ziehen Sie Urlaub, Krankenstand, Feiertage und unproduktive Verwaltungszeit ab.

3
Mindeststundensatz berechnen

Wenden Sie die Formel an: (Jahreskosten + Wunsch-Nettolohn) geteilt durch verrechenbare Stunden. Das Ergebnis ist Ihr absolutes Minimum.

4
Marktvergleich durchführen

Vergleichen Sie Ihren berechneten Satz mit üblichen Preisen in Ihrer Region und Ihrem Gewerk. Positionieren Sie sich bewusst.

5
Preise kommunizieren

Erstellen Sie eine klare Preisliste, die Sie Kunden vorlegen können. Transparenz schafft Vertrauen und reduziert Preisdiskussionen.

Typische Stundensätze nach Gewerk in Österreich 2026

Die Stundensätze variieren je nach Fachgebiet, Region und Erfahrung erheblich. Elektriker verrechnen in Österreich aktuell zwischen 65 und 120 EUR pro Stunde, wobei Starkstrom-Spezialisten am oberen Ende liegen. Installateure (Gas-Wasser-Heizung) bewegen sich in einer ähnlichen Spanne von 60 bis 120 EUR, mit Spitzensätzen für Notdienste. Maler und Anstreicher liegen etwas darunter bei 45 bis 85 EUR pro Stunde, wobei Fassadenarbeiten in der Höhe besser bezahlt werden. Tischler und Schreiner verrechnen 55 bis 100 EUR, spezialisierte Möbeltischler auch deutlich mehr. Fliesenleger liegen bei 50 bis 90 EUR, Spengler und Dachdecker bei 60 bis 110 EUR pro Stunde. In Wien und Salzburg sind die Sätze generell 15 bis 25 Prozent höher als im ländlichen Raum. Auf Plattformen wie FixBuddy können Sie Ihren Stundensatz frei festlegen - es gibt kein Preisdumping durch die Plattform, und Kunden sehen Ihre Bewertungen und Qualifikationen, was höhere Preise rechtfertigt. Wichtig: Diese Sätze sind Endkundenpreise inklusive aller Nebenkosten. Wenn Sie als Kleinunternehmer ohne Umsatzsteuer arbeiten, ist Ihr Nettosatz gleich dem Bruttosatz - ein Preisvorteil gegenüber USt-pflichtigen Kollegen, den Sie bewusst einsetzen können. Vergessen Sie nicht, Ihre Sätze jährlich an die Inflation und steigende Betriebskosten anzupassen. Wer seinen Stundensatz seit Jahren nicht erhöht hat, arbeitet real für weniger Geld.

Praxis-Tipps vom Profi

  1. 1 Kalkulieren Sie immer mit mindestens 10 % Puffer über dem Mindeststundensatz für unvorhergesehene Ausgaben und Auftragslücken.
  2. 2 Bieten Sie bei größeren Aufträgen Pauschalpreise an - diese sind für Kunden planbar und für Sie oft lukrativer als Stundenabrechnung.
  3. 3 Als Kleinunternehmer (bis 55.000 EUR Umsatz) sparen Sie sich die USt-Abfuhr und können den Preisvorteil an Privatkunden weitergeben.
  4. 4 Führen Sie ein Zeiterfassungstool, um Ihre tatsächlich verrechenbaren Stunden zu tracken. Viele Handwerker überschätzen diese um 20-30 %.
  5. 5 Heben Sie Ihren Stundensatz bei Spezialarbeiten, Notdiensten und Wochenendarbeit an - Kunden erwarten und akzeptieren das.

Häufige Fragen

Ein realistischer Mindeststundensatz liegt für die meisten Gewerke bei 55 bis 70 EUR. Darunter können Sie nach Abzug aller Kosten (SVS, Steuern, Betriebskosten) kaum einen angemessenen Nettolohn erzielen. Je nach Fachgebiet und Region sind Sätze von 80 bis 120 EUR durchaus üblich und gerechtfertigt.

Das hängt davon ab, ob Sie unter die Kleinunternehmerregelung fallen. Bis zu einem Jahresumsatz von 55.000 EUR (seit 2025) können Sie umsatzsteuerfrei arbeiten. In diesem Fall weisen Sie keine USt auf Ihren Rechnungen aus. Überschreiten Sie die Grenze, müssen Sie 20 % USt aufschlagen, können aber gleichzeitig Vorsteuer für Ihre Einkäufe abziehen.

Die SVS-Beiträge betragen insgesamt rund 26,83 % Ihres Gewinns. Da der Gewinn erst am Jahresende feststeht, arbeitet die SVS mit vorläufigen Beiträgen und rechnet später nach. Planen Sie am besten 27-28 % Ihres erwarteten Gewinns für SVS-Beiträge ein und legen Sie diesen Betrag monatlich auf ein separates Konto.

Beides hat Vor- und Nachteile. Separate Anfahrtskosten (z. B. 25-50 EUR pauschal oder 0,42 EUR pro Kilometer) sind transparent und fair bei weiten Entfernungen. Ein höherer Stundensatz ohne Anfahrtspauschale wirkt bei Kunden in der Nähe teurer, ist aber administrativ einfacher. Viele erfolgreiche Handwerker verrechnen Anfahrtskosten separat und kommunizieren dies von Anfang an.

Prüfen Sie Ihren Stundensatz mindestens einmal jährlich. Berücksichtigen Sie dabei die Inflationsrate, gestiegene SVS-Beiträge, höhere Treibstoff- und Materialkosten sowie eventuelle Investitionen. Eine jährliche Anpassung von 3 bis 5 Prozent ist in der aktuellen Wirtschaftslage angemessen und wird von den meisten Kunden akzeptiert.

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