Lehrlinge ausbilden als Handwerker: Lohnt sich das?
Die Lehrlingsausbildung ist das Rückgrat des österreichischen Handwerks. Doch viele Betriebe scheuen den Aufwand und die Kosten. Zu Unrecht, denn richtig geplant ist die Lehrlingsausbildung eine Investition, die sich mehrfach auszahlt. Von der Sicherung künftiger Fachkraefte über Förderungen bis zur steuerlichen Absetzbarkeit bietet die duale Ausbildung handfeste Vorteile. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen, was Sie für die Lehrlingsausbildung brauchen, was sie kostet und wie Sie das Maximum herausholen.
Das duale Ausbildungssystem in Österreich
Österreichs duales Ausbildungssystem gilt international als Vorbild. Der Lehrling lernt abwechselnd im Betrieb (ca. 80 Prozent der Zeit) und in der Berufsschule (ca. 20 Prozent). Die Lehrzeit beträgt je nach Beruf 2 bis 4 Jahre - im Handwerk sind 3 Jahre der Standard (z.B. Installateur, Tischler, Maler). Es gibt über 200 Lehrberufe in Österreich, darunter zahlreiche Handwerksberufe. Der Lehrvertrag wird bei der zuständigen Lehrlingsstelle der WKO registriert. Im Betrieb lernt der Lehrling unter Anleitung eines Ausbilders praktische Fertigkeiten, in der Berufsschule werden theoretische Grundlagen und Allgemeinbildung vermittelt. Die Berufsschule ist je nach Bundesland und Beruf als Block- oder Tagesunterricht organisiert. Am Ende der Lehrzeit steht die Lehrabschlussprüfung (LAP), die aus einem praktischen und einem theoretischen Teil besteht. Die Durchfallquote variiert je nach Beruf, liegt aber im Schnitt bei 15 bis 20 Prozent. Wer die LAP besteht, ist qualifizierte Fachkraft und kann direkt als Geselle arbeiten oder die Meisterprüfung anstreben.
Checkliste
Voraussetzungen: Ausbilderprüfung und Lehrlingsstelle
Um Lehrlinge ausbilden zu dürfen, müssen Sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Grundvoraussetzung ist die Ausbilderberechtigung: Entweder besitzen Sie die Meisterprüfung in Ihrem Gewerk (diese beinhaltet den Ausbilderteil) oder Sie legen die Ausbilderprüfung separat ab. Die Ausbilderprüfung besteht aus einem pädagogischen Teil und kann bei der WKO oder bei WIFI absolviert werden. Der Kurs dauert ca. 40 Stunden und kostet zwischen 300 und 500 EUR. In vielen Fällen fördert das AMS die Kurskosten. Alternativ gibt es den Ausbilderkurs mit Fachgespräch statt Prüfung. Ihr Betrieb muss zudem geeignete Räumlichkeiten und Einrichtungen für die Ausbildung bieten. Die Lehrlingsstelle Ihres Bundeslandes prüft dies im Rahmen der Erstfeststellung. Dazu gehören ein geeigneter Arbeitsplatz, die notwendigen Werkzeuge und Maschinen sowie die Möglichkeit, die im Berufsbild festgelegten Tätigkeiten tatsächlich zu vermitteln. Als Ein-Personen-Unternehmen können Sie ebenfalls Lehrlinge ausbilden, müssen aber sicherstellen, dass der Lehrling nicht allein arbeitet, wenn Sie selbst bei Kunden unterwegs sind. Hier kann ein Ausbildungsverbund mit anderen Betrieben eine Lösung sein.
So gehts - Schritt für Schritt
Klären Sie bei der WKO, ob Ihre Meisterprüfung die Ausbilderberechtigung beinhaltet. Falls nicht, melden Sie sich zum nächsten Ausbilderkurs beim WIFI an.
Kontaktieren Sie die Lehrlingsstelle Ihres Bundeslandes und lassen Sie sich alle aktuellen Förderungen auflisten. Die Basisförderung allein kann mehrere tausend Euro betragen.
Nutzen Sie die kostenlose WKO-Lehrstellenbörse und melden Sie Ihre offene Lehrstelle auch beim AMS. Je früher, desto besser - idealerweise ab Jaenner für einen September-Start.
Laden Sie das Berufsbild für Ihren Lehrberuf von der WKO-Website herunter und erstellen Sie einen konkreten Ausbildungsplan für alle Lehrjahre.
Sprechen Sie mit der örtlichen Polytechnischen Schule und bieten Sie Schnuppertage an. Dort finden Sie motivierte Jugendliche, die sich für Ihr Gewerk interessieren.
Falls Sie nicht alle Berufsbild-Inhalte allein vermitteln können, schließen Sie sich einem Ausbildungsverbund mit anderen Betrieben an.
Kosten und Förderungen: Die ehrliche Rechnung
Die Lehrlingsentschaedigung ist im jeweiligen Kollektivvertrag geregelt und steigt mit jedem Lehrjahr. Typische Beträge im Handwerk (Stand 2026): 1. Lehrjahr 800 bis 1.000 EUR brutto, 2. Lehrjahr 1.000 bis 1.200 EUR, 3. Lehrjahr 1.200 bis 1.500 EUR, 4. Lehrjahr 1.400 bis 1.800 EUR. Dazu kommen Lohnnebenkosten von ca. 30 Prozent, Kosten für Arbeitskleidung (ca. 200 bis 400 EUR pro Jahr), Werkzeug und Verbrauchsmaterial. Im ersten Lehrjahr überwiegen die Kosten klar den produktiven Beitrag des Lehrlings. Ab dem zweiten Jahr kippt das Verhältnis zugunsten des Betriebs. Auf der Förderseite stehen mehrere Programme: Der Basisfördersatz der WKO beträgt 3 Lehrlingsentschaedigungen pro Lehrjahr als Prämie. Zusätzlich gibt es Qualitätsprämien für überdurchschnittliche Lehrlingsausbildung (bis 3.000 EUR bei ausgezeichnetem oder gutem Lehrabschluss). Das AMS fördert Lehrlinge in Mangelberufen und solche mit besonderen Bedürfnissen. Die Kosten der Berufsschule trägt die öffentliche Hand. Unter dem Strich finanziert sich ein Lehrling ab dem zweiten Jahr weitgehend selbst - die Fachkraft, die Sie danach im Betrieb haben, ist der eigentliche Gewinn.
Praxis-Tipps vom Profi
- 1 Die beste Zeit, um Lehrlinge zu rekrutieren, ist Jaenner bis April - dann bewerben sich Schueler der Polytechnischen Schulen.
- 2 Bieten Sie Schnuppertage (berufspraktische Tage) an: Schulen in Ihrer Nähe vermitteln gerne Kontakte.
- 3 Überlegen Sie sich ein kleines Lehrlings-Bonus-System: Eine Prämie für gute Berufsschulzeugnisse motiviert enorm.
- 4 Dokumentieren Sie die Fortschritte Ihres Lehrlings - das hilft bei der Beantragung von Qualitätsprämien.
- 5 Ein gut ausgebildeter Lehrling ist die beste Werbung: Sprechen Sie in Ihrer Community darüber und zeigen Sie auf Ihrem FixBuddy-Profil, dass Sie ein Ausbildungsbetrieb sind - das schafft Vertrauen bei Kunden.
Häufige Fragen
Die Ausbilderprüfung beim WIFI kostet je nach Bundesland zwischen 300 und 500 EUR für den Kurs plus Prüfungsgebühr. Der Kurs umfasst rund 40 Stunden und kann oft auch als Abendkurs oder Wochenendkurs besucht werden. In manchen Fällen übernimmt das AMS die Kosten teilweise oder vollständig. Die Meisterprüfung beinhaltet den Ausbilderteil automatisch.
Die Lehrlingsentschaedigung variiert je nach Kollektivvertrag und Lehrjahr. Im Handwerk liegt sie typischerweise zwischen 800 EUR brutto im ersten Lehrjahr und bis zu 1.800 EUR im vierten Lehrjahr. Dazu kommen Lohnnebenkosten für den Arbeitgeber von ca. 30 Prozent. Die genauen Beträge finden Sie im Kollektivvertrag Ihres Gewerks bei der WKO.
Ja, auch EPU können Lehrlinge ausbilden, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind (Ausbilderberechtigung, geeigneter Betrieb). Die Herausforderung liegt darin, dass der Lehrling nicht allein arbeiten darf. Lösungen sind ein Ausbildungsverbund mit anderen Betrieben oder die Planung, dass Lehrling und Meister gemeinsam auf Baustellen gehen. Die WKO-Lehrlingsstelle beraat Sie kostenlos zu den Möglichkeiten.
Die wichtigsten sind: Basisförderung (3 Lehrlingsentschaedigungen pro Lehrjahr), Qualitätsprämien bei gutem/ausgezeichnetem LAP-Ergebnis (bis 3.000 EUR), AMS-Förderungen für Mangelberufe, Maedchen-in-Handwerk-Förderungen und diverse Landesförderungen. Außerdem sind Ausbildungskosten steuerlich absetzbar. Informieren Sie sich bei der WKO-Lehrlingsstelle über das aktuelle Förderpaket.
Die meisten Handwerksberufe haben eine Lehrzeit von 3 Jahren (z.B. Maler, Tischler, Installateur). Einige Berufe dauern 3,5 Jahre (z.B. Elektrotechniker) oder 4 Jahre (z.B. Karosseriebautechniker). Doppellehren dauern entsprechend länger. Die Lehre kann bei besonders guten Leistungen um bis zu 6 Monate verkürzt werden.
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