Home Handwerker-Ratgeber Welche Versicherungen braucht ein Handwerker in Österreich?

Welche Versicherungen braucht ein Handwerker in Österreich?

Als selbständiger Handwerker in Österreich sind Sie nicht nur für Ihre Arbeit verantwortlich, sondern auch für Ihre eigene Absicherung. Ein einziger Schaden beim Kunden, ein Unfall auf der Baustelle oder ein längerer Krankenstand kann ohne die richtigen Versicherungen existenzbedrohend sein. Manche Versicherungen sind gesetzlich vorgeschrieben, andere freiwillig aber dringend empfohlen. Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Versicherungen, deren Kosten und worauf Sie beim Abschluss achten sollten.

SVS-Pflichtversicherung: Sozialversicherung für Selbständige

Als gewerblich selbständiger Handwerker in Österreich sind Sie bei der SVS (Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen) pflichtversichert. Die SVS vereint Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung in einem System. Die Beiträge berechnen sich auf Basis Ihres Einkommens. Im Jahr 2026 gelten folgende Sätze: Krankenversicherung 6,80 Prozent, Pensionsversicherung 18,50 Prozent und Unfallversicherung als fixer Monatsbeitrag von rund 11,35 EUR. In Summe zahlen Sie also etwa 25,30 Prozent Ihres Gewinns als SVS-Beiträge. In den ersten drei Jahren Ihrer Selbständigkeit gelten reduzierte Mindestbeiträge (die sogenannte Neugründerförderung), die später nachberechnet werden. Wichtig: Die SVS rechnet im Nachhinein ab. Das bedeutet, die endgültigen Beiträge werden auf Basis Ihres tatsächlichen Einkommensteuerbescheids berechnet. Legen Sie daher von Anfang an mindestens 25 bis 30 Prozent Ihres Gewinns für SVS-Beiträge und Einkommensteuer zurück. Die SVS bietet optional die Selbständigenvorsorge (betriebliche Vorsorgekasse) an, die der Abfertigung bei Arbeitnehmern entspricht. Außerdem können Sie sich freiwillig höher krankenversichern, um ein höheres Krankengeld zu erhalten. Der Standard-Krankengeldanspruch beginnt erst ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit.

Checkliste

Betriebshaftpflichtversicherung: Ihre wichtigste freiwillige Versicherung

Die Betriebshaftpflichtversicherung ist für Handwerker die wichtigste freiwillige Versicherung. Sie deckt Schäden ab, die Sie im Rahmen Ihrer beruflichen Tätigkeit Dritten zufügen, also Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Stellen Sie sich vor, beim Bohren beschädigen Sie eine Wasserleitung und das Wasser zerstört die Wohnung darunter, oder ein schlecht befestigtes Regal fällt herunter und verletzt jemanden. Ohne Haftpflichtversicherung haften Sie mit Ihrem gesamten Privatvermögen. Die Kosten für eine Betriebshaftpflicht liegen je nach Gewerk und Versicherungssumme zwischen 300 und 1.500 EUR pro Jahr. Elektriker und Installateure zahlen tendenziell mehr als Maler oder Tischler, da das Schadenpotenzial höher ist. Empfohlene Deckungssummen: mindestens 3 Millionen EUR für Personenschäden und mindestens 1 Million EUR für Sachschäden. Achten Sie darauf, dass auch Tätigkeitsschäden (Schäden am bearbeiteten Gegenstand selbst) und Mängelbeseitigungsnebenkosten abgedeckt sind. Viele Kunden, insbesondere Hausverwaltungen und öffentliche Auftraggeber, verlangen den Nachweis einer Betriebshaftpflicht als Voraussetzung für die Auftragserteilung. Auch auf Vermittlungsplattformen wie FixBuddy signalisiert eine vorhandene Versicherung Professionalität und stärkt Ihr Profil gegenüber der Konkurrenz.

So gehts - Schritt für Schritt

1
Versicherungsbestand prüfen

Listen Sie alle bestehenden Versicherungen mit Deckungssummen und Jahresprämien auf. Identifizieren Sie Lücken, insbesondere bei der Betriebshaftpflicht.

2
Betriebshaftpflicht-Angebote einholen

Holen Sie mindestens drei Angebote von verschiedenen Versicherern ein. Vergleichen Sie nicht nur den Preis, sondern auch Deckungsumfang, Ausschlüsse und Selbstbehalte.

3
SVS-Beiträge vorausplanen

Berechnen Sie Ihre voraussichtlichen SVS-Beiträge auf Basis des erwarteten Gewinns. Richten Sie ein separates Konto für SVS-Rücklagen ein.

4
WKO-Rahmenverträge prüfen

Erkundigen Sie sich bei Ihrer Fachgruppe, ob es branchenspezifische Rahmenverträge mit Versicherungen gibt. Diese bieten oft günstigere Konditionen als Einzelverträge.

5
Versicherungsmakler konsultieren

Ein unabhängiger Versicherungsmakler kann Ihre Situation ganzheitlich beurteilen und ein maßgeschneidertes Paket zusammenstellen. Die Beratung ist in der Regel kostenlos.

Betriebsunterbrechungsversicherung und Rechtsschutzversicherung

Die Betriebsunterbrechungsversicherung ist für Handwerker besonders wichtig, da Ihre Arbeitskraft Ihr Kapital ist. Wenn Sie durch Krankheit, Unfall oder einen Sachschaden am Betrieb (etwa einen Werkstattbrand) längere Zeit nicht arbeiten können, laufen die Fixkosten weiter, aber die Einnahmen fallen weg. Die Betriebsunterbrechungsversicherung ersetzt den entgangenen Betriebsgewinn und die fortlaufenden Kosten für einen vereinbarten Zeitraum, meist 6 bis 12 Monate. Die Kosten liegen je nach Deckungssumme und Karenzzeit zwischen 200 und 800 EUR pro Jahr. Eine Rechtsschutzversicherung schützt Sie vor den finanziellen Folgen von Rechtsstreitigkeiten. Für Handwerker ist besonders der Betriebs-Rechtsschutz relevant, der Kosten für Anwälte, Gutachter und Gerichtsgebühren übernimmt. Typische Streitfälle: Ein Kunde verweigert die Zahlung, ein Lieferant liefert mangelhaftes Material, oder das Arbeitsinspektorat verhängt eine Strafe, die Sie anfechten möchten. Die Kosten liegen zwischen 200 und 500 EUR pro Jahr. Achten Sie bei der Rechtsschutzversicherung auf die Wartezeit, die bei den meisten Anbietern drei Monate beträgt. Vertragsstreitigkeiten, die in dieser Zeit entstehen, sind noch nicht gedeckt. Prüfen Sie auch, ob Werkvertragsstreitigkeiten explizit eingeschlossen sind.

Praxis-Tipps vom Profi

  1. 1 Schließen Sie die Betriebshaftpflicht VOR dem ersten Auftrag ab. Ein einziger Schadensfall ohne Versicherung kann Ihre Existenz gefährden.
  2. 2 Achten Sie bei der SVS auf die Option des Opting-Out der Krankenversicherung in den ersten 12 Monaten. Das kann bei geringem Einkommen sinnvoll sein, birgt aber Risiken.
  3. 3 Vereinbaren Sie bei der Betriebsunterbrechungsversicherung eine kurze Karenzzeit (7-14 Tage statt 30 Tage). Die Mehrkosten sind gering, aber der Schutz deutlich besser.
  4. 4 Bewahren Sie alle Versicherungspolizzen digital und physisch auf. Im Schadensfall müssen Sie schnell auf die Versicherungsnummer und Kontaktdaten zugreifen können.
  5. 5 Melden Sie Schäden der Versicherung SOFORT. Verspätete Meldungen können dazu führen, dass die Versicherung die Leistung kürzt oder verweigert.

Weitere Versicherungen und jährliche Gesamtkosten

Neben den genannten Hauptversicherungen gibt es weitere Policen, die je nach Gewerk sinnvoll sein können. Die Werkzeug- und Maschinenversicherung deckt Diebstahl, Beschädigung oder Zerstörung Ihres Werkzeugs und Ihrer Maschinen ab. Für Handwerker mit teurem Spezialwerkzeug oder Messgeräten kann das sinnvoll sein. Kosten: 100 bis 400 EUR pro Jahr. Die Kfz-Versicherung für Firmenfahrzeuge ist Pflicht und kostet je nach Fahrzeug und Nutzung 500 bis 1.500 EUR pro Jahr. Achten Sie auf eine ausreichende Kasko-Deckung, da Werkzeug im Fahrzeug oft mitversichert werden kann. Eine Cyber-Versicherung wird zunehmend relevant, wenn Sie Kundendaten digital verwalten. Sie deckt Kosten bei Datenverlust, Hackerangriffen und DSGVO-Verstößen. Kosten: 150 bis 500 EUR pro Jahr. Die jährlichen Gesamtkosten für ein solides Versicherungspaket liegen für einen typischen Handwerksbetrieb bei 1.500 bis 4.000 EUR (ohne SVS-Pflichtversicherung). Berücksichtigen Sie, dass diese Kosten als Betriebsausgaben steuerlich absetzbar sind. Holen Sie jährlich Vergleichsangebote ein, da die Prämien stark variieren können. GISA-verifizierte Handwerker auf FixBuddy genießen mehr Vertrauen bei Kunden, und eine vollständige Versicherungsausstattung unterstreicht diese Professionalität zusätzlich. Die WKO und die Fachgruppen bieten teilweise Rahmenverträge mit günstigeren Konditionen an.

Häufige Fragen

In Österreich gibt es keine generelle gesetzliche Pflicht zur Betriebshaftpflicht für Handwerker. Für bestimmte Gewerbe wie Baumeister und Elektrotechniker kann sie aber durch die Gewerbeordnung oder Berufskammervorschriften vorgeschrieben sein. Unabhängig davon ist sie dringend empfohlen, da Sie ohne sie mit Ihrem Privatvermögen haften.

In den ersten drei Jahren gelten reduzierte Mindestbeiträge. Die vorläufigen Monatsbeiträge liegen bei rund 170 EUR für Kranken- und Pensionsversicherung plus ca. 11 EUR Unfallversicherung. Die endgültige Abrechnung erfolgt nach Vorliegen des Einkommensteuerbescheids und kann deutlich höher ausfallen.

Ja, die Betriebshaftpflicht deckt in der Regel auch Schäden, die Ihre Mitarbeiter in Ausübung ihrer Tätigkeit bei Dritten verursachen. Prüfen Sie aber den Versicherungsvertrag auf die Anzahl der mitversicherten Personen und eventuelle Einschränkungen bei Subunternehmern.

Ja, alle betrieblich veranlassten Versicherungen sind steuerlich als Betriebsausgabe absetzbar. Das betrifft Betriebshaftpflicht, Rechtsschutz, Betriebsunterbrechung, Kfz-Versicherung und auch die SVS-Beiträge. Private Versicherungsanteile (z.B. Privat-Kfz-Nutzung) sind nicht absetzbar.

Die SVS (Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen) ist für Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung selbständiger Gewerbetreibender zuständig. Die AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) versichert hingegen Arbeitnehmer gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten. Wenn Sie Mitarbeiter haben, sind diese bei der AUVA versichert, Sie selbst bei der SVS.

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