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Steuern für selbstständige Handwerker in Österreich

Das österreichische Steuersystem stellt selbstständige Handwerker vor besondere Herausforderungen. Neben der Einkommensteuer und der Umsatzsteuer fallen SVS-Beiträge an, die zusammen mehr als die Hälfte Ihres Gewinns ausmachen können. Gleichzeitig bietet das System zahlreiche Möglichkeiten, die Steuerlast durch Betriebsausgaben legal zu senken. Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über alle relevanten Steuern und Abgaben, die Sie als Handwerker in Österreich kennen müssen.

Einkommensteuer: Der progressive Tarif im Detail

Die Einkommensteuer ist für die meisten Handwerker die größte Steuerbelastung. In Österreich gilt ein progressiver Tarif, der mit steigendem Einkommen ansteigt. Bis 12.816 EUR jährlich zahlen Sie 0 Prozent Einkommensteuer. Für den Bereich von 12.816 bis 20.818 EUR fallen 20 Prozent an, von 20.818 bis 34.513 EUR sind es 30 Prozent, von 34.513 bis 66.612 EUR dann 40 Prozent, von 66.612 bis 99.266 EUR beträgt der Satz 48 Prozent, und ab 99.266 EUR greift der Spitzensteuersatz von 50 Prozent. Wichtig: Diese Sätze gelten für den jeweiligen Einkommensbereich (Grenzsteuersatz), nicht für das gesamte Einkommen. Ein Handwerker mit 50.000 EUR Gewinn zahlt also nicht pauschal 40 Prozent, sondern effektiv deutlich weniger. Die Einkommensteuer wird in Österreich über die jährliche Einkommensteuererklärung festgesetzt, die Sie bis 30. April (Papier) oder 30. Juni (FinanzOnline) des Folgejahres einreichen müssen. Bei einem Steuerberater verlängert sich die Frist auf Ende März des übernächsten Jahres. Basierend auf Ihrem Vorjahreseinkommen setzt das Finanzamt quartalweise Vorauszahlungen fest (am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November), die Sie leisten müssen.

Checkliste

Umsatzsteuer und SVS: Die laufenden Abgaben

Die Umsatzsteuer (USt) beträgt in Österreich für Handwerkerleistungen standardmäßig 20 Prozent. Sie schlagen diese auf Ihre Nettopreise auf und führen sie ans Finanzamt ab. Im Gegenzug ziehen Sie die Vorsteuer für Ihre geschäftlichen Einkäufe ab. Die Differenz ergibt Ihre USt-Zahllast. Kleinunternehmer mit bis zu 55.000 EUR Jahresumsatz sind davon befreit. Die Umsatzsteuervoranmeldung (UVA) müssen Sie monatlich einreichen, wenn Ihr Vorjahresumsatz über 100.000 EUR lag, oder quartalsweise bei einem Umsatz zwischen 35.000 und 100.000 EUR. Unter 35.000 EUR Umsatz genügt die Jahreserklärung. Die SVS (Sozialversicherung der Selbstständigen) ist keine Steuer im engeren Sinn, fühlt sich aber wie eine an. Die Beiträge betragen insgesamt rund 26,83 Prozent Ihres Gewinns: 18,50 Prozent Pensionsversicherung, 6,80 Prozent Krankenversicherung und 1,53 Prozent Selbstständigenvorsorge, plus eine monatliche Unfallversicherungspauschale von 10,97 EUR. In den ersten drei Jahren gelten reduzierte Mindestbeiträge (Neuggründerförderung), danach wird anhand des tatsächlichen Gewinns nachberechnet. Planen Sie für SVS plus Einkommensteuer zusammen etwa 40 bis 50 Prozent Ihres Gewinns als Rücklage ein. Tipp: FixBuddy stellt für jeden abgeschlossenen Auftrag eine transparente Abrechnung bereit, die Sie direkt für Ihre Buchhaltung und Steuererklärung verwenden können.

So gehts - Schritt für Schritt

1
Steuerrücklage einrichten

Eröffnen Sie ein separates Konto und überweisen Sie monatlich 40-50 Prozent Ihres Gewinns dorthin. So sind Steuer- und SVS-Nachzahlungen kein Schock.

2
FinanzOnline-Zugang einrichten

Registrieren Sie sich bei FinanzOnline, falls noch nicht geschehen. Darüber erledigen Sie Steuererklärungen, UVA und Bescheide digital.

3
Belegsystem aufbauen

Nutzen Sie eine App oder Software zum Scannen und Ablegen von Belegen. Sortieren Sie nach Kategorie (Material, Fahrzeug, Werkzeug etc.).

4
Steuerberater evaluieren

Holen Sie Angebote von zwei bis drei Steuerberatern ein. Fragen Sie nach Pauschalpreisen für Einnahmen-Ausgaben-Rechner und prüfen Sie die Branchenerfahrung.

5
Absetzbare Kosten identifizieren

Gehen Sie Ihre Ausgaben der letzten 12 Monate durch und prüfen Sie, welche betrieblich absetzbar sind. Oft werden Telefon, Internet und Arbeitskleidung vergessen.

6
Vorauszahlungen prüfen

Kontrollieren Sie Ihre ESt-Vorauszahlungen beim Finanzamt. Wenn Ihr Einkommen stark gestiegen oder gesunken ist, können Sie eine Anpassung beantragen.

Betriebsausgaben: So senken Sie Ihre Steuerlast legal

Jede Ausgabe, die betrieblich veranlasst ist, senkt Ihren steuerlichen Gewinn und damit Ihre Steuer- und SVS-Last. Zu den wichtigsten Betriebsausgaben für Handwerker zaehlen: Fahrzeugkosten (Leasing, Versicherung, Treibstoff, Reparaturen) - bei gemischter Nutzung ist der betriebliche Anteil absetzbar, wobei ein Fahrtenbuch empfehlenswert ist. Werkzeuge und Maschinen unter 1.000 EUR netto können sofort als geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG) abgesetzt werden. Teurere Geräte werden über die Nutzungsdauer abgeschrieben, typischerweise 5 bis 10 Jahre. Materialkosten, die Sie für Kundenaufträge einkaufen, sind vollständig absetzbar. Miete für Werkstatt, Lagerraum oder ein häusliches Arbeitszimmer (anteilig, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind) sind ebenso absetzbar wie Telefon- und Internetkosten (betrieblicher Anteil), Weiterbildungskosten (Kurse, Fachliteratur, Messen), Versicherungsprämien (Betriebshaftpflicht, Rechtsschutz), und WKO-Beiträge. Auch Arbeitskleidung, die überwiegend beruflich genutzt wird (Sicherheitsschuhe, Arbeitshosen), ist absetzbar. Ebenso sind Servicegebühren von Vermittlungsplattformen wie FixBuddy als Betriebsausgabe voll absetzbar - sie mindern direkt Ihren steuerlichen Gewinn. Bewahren Sie für alle Ausgaben Belege auf und verbuchen Sie diese laufend. Ein Steuerberater kostet zwar 1.000 bis 3.000 EUR jährlich, spart Ihnen aber oft ein Vielfaches durch optimierte Betriebsausgaben und korrekte Absetzungen.

Praxis-Tipps vom Profi

  1. 1 Investitionen gegen Jahresende können den Gewinn drücken und so die Steuerlast im laufenden Jahr senken - nutzen Sie den Gewinnfreibetrag (bis 15 % für die ersten 33.000 EUR Gewinn).
  2. 2 Der Grundfreibetrag von 15 Prozent (bis 33.000 EUR Gewinn) steht Ihnen automatisch zu und senkt Ihre Steuerbemessungsgrundlage ohne Nachweis.
  3. 3 Als Neuggründer profitieren Sie von reduzierten SVS-Mindestbeiträgen in den ersten drei Jahren. Nutzen Sie diese Phase für den Aufbau von Rücklagen.
  4. 4 Fahrtenbuch digital führen (z. B. per App) - das Finanzamt erkennt digitale Fahrtenbücher an, solange sie manipulationssicher sind.
  5. 5 Prüfen Sie jährlich, ob ein Wechsel zwischen Kleinunternehmerregelung und Regelbesteuerung steuerlich vorteilhafter wäre.

Häufige Fragen

Die Gesamtbelastung aus Einkommensteuer und SVS-Beiträgen beträgt typischerweise 40 bis 50 Prozent des Gewinns. Bei einem Gewinn von 40.000 EUR zahlen Sie beispielsweise rund 7.500 EUR Einkommensteuer und 10.700 EUR SVS-Beiträge, also insgesamt etwa 45 Prozent. Der genaue Satz hängt von Ihrem individuellen Gewinn und absetzbaren Ausgaben ab.

Bei einem Vorjahresumsatz über 100.000 EUR monatlich (bis zum 15. des Zweitfolgemonats), zwischen 35.000 und 100.000 EUR quartalsweise. Unter 35.000 EUR genügt die jährliche Umsatzsteuererklärung. Kleinunternehmer unter 55.000 EUR Umsatz sind komplett befreit.

Nur wenn das Fahrzeug zu mindestens 50 Prozent betrieblich genutzt wird, kann es als Betriebsvermögen geführt werden. Bei gemischter Nutzung ist der betriebliche Anteil absetzbar - dafür benötigen Sie ein Fahrtenbuch. Die Luxustangente für PKW liegt bei 40.000 EUR Anschaffungskosten, alles darüber ist steuerlich nicht absetzbar.

Der Grundfreibetrag von 15 Prozent (auf die ersten 33.000 EUR Gewinn) steht jedem Selbstständigen automatisch zu und senkt die Steuerbemessungsgrundlage um bis zu 4.950 EUR. Für darüber hinausgehende Gewinne können Sie den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag nutzen, benötigen dafür aber Investitionen in begünstigtes Anlagevermögen oder bestimmte Wertpapiere.

Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Steuerberater nicht, sofern Sie eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung führen (Umsatz unter 700.000 EUR). Empfehlenswert ist professionelle Hilfe aber ab einem Jahresumsatz von circa 40.000 EUR. Die Kosten von 1.000 bis 3.000 EUR jährlich amortisieren sich meist durch optimierte Absetzungen und vermiedene Fehler bei Prüfungen.

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